{"id":881,"date":"2009-04-22T19:19:14","date_gmt":"2009-04-22T17:19:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fffr.de\/?p=881"},"modified":"2009-04-22T19:19:14","modified_gmt":"2009-04-22T17:19:14","slug":"informationen-zur-podiumsdiskussion-%e2%80%9edeutsche-ausenpolitik-und-friedenspolitik-im-praxistest%e2%80%9c-am-24-april-2009-in-der-aula-der-universitat-freiburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fffr.de\/?p=881","title":{"rendered":"Informationen zur Podiumsdiskussion \u201eDeutsche Au\u00dfenpolitik und Friedenspolitik im Praxistest\u201c am 24. April 2009 in der Aula der Universit\u00e4t Freiburg"},"content":{"rendered":"<p>Laut Programm wird sich die Diskussion um das neu erschienene Buch von <strong>Gernot Erler<\/strong> drehen, der selbst auf dem Podium sitzen wird. Das Buch hat den Titel <strong>\u201eMission Weltfrieden \u2013 Deutschlands neue Rolle in der Weltpolitik\u201c<\/strong>. Die Diskussion soll nur auf dem Podium stattfinden, nicht oder nicht ausreichend mit dem Auditorium. Deshalb hat das Freiburger Friedensforum diese Information erstellt, die vor der Podiumsdiskussion verteilt wird.<\/p>\n<p>In Erlers Buch werden alle Kriegshandlungen, an denen Deutschland aktiv beteiligt ist, Friedensmissionen genannt, so die Beteiligung am NATO-Krieg gegen Jugoslawien und die Beteiligung am NATO-Krieg in Afghanistan. Die logistische Beteiligung Deutschlands am Irakkrieg der USA wird verschwiegen. Der Praxistest f\u00fcr deutsche Au\u00dfen- und Friedenspolitik in Erlers Buch befasst sich mit Afghanistan, Iran, Nahost und Zentralasien und wird vermutlich Schwerpunkt der Podiumsdiskussion sein. Dazu nimmt das Freiburger Friedensforum, wie folgt, Stellung:<!--more--><\/p>\n<ul>\nZu Afghanistan:<\/ul>\n<p>Nach sieben Jahren Krieg mit der Sowjetunion und anschlie\u00dfendem B\u00fcrgerkrieg begann 2001 die Bombardierung mit nachfolgender Besetzung Afghanistans durch NATO-Truppen. Der Krieg steht nun im 8. Jahr! Nach anf\u00e4nglichen Erfolgen gab es, so berichtet auch Erler, schwere R\u00fcckschl\u00e4ge und nach mehr als 100.000 zivilen Todes-opfern durch NATO-Angriffe eine Wiederausbreitung der Talibanherrschaft. Die NATO verst\u00e4rkt deshalb laufend ihre Besatzungstruppen. Mit weiteren 30.000 US-Soldaten werden es 70.000 Soldaten sein. Erler schreibt dazu:<\/p>\n<p><em> \u201eEs hat schon Friedensmissionen gegeben, die scheiterten und abgebrochen wurden. In Afghanistan kann man sich das nicht vorstellen.\u201c <\/em>Und weiter: <em>\u201eDer Hauptgrund, weshalb ein Scheitern ausgeschlossen ist, f\u00fchrt auf den Ausgangspunkt der Afghanistan-Mission zur\u00fcck. Die R\u00fcckkehr der Taliban b\u00f6te dem international agierenden Netzwerkterrorismus einen sicheren Hafen, von dem aus er ungest\u00f6rt seine Attacken quer \u00fcber den Globus verbreiten k\u00f6nnte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als ob dieser Netzwerkterrorismus das riesige r\u00fcckst\u00e4ndige Land ben\u00f6tigte, um hightech- Attentate in westlichen Metropolen zu planen und vorzubereiten!? Erler meint, das Land m\u00fcsse so lange von der NATO besetzt bleiben, bis eine starke afghanische Regierung in der Lage sei, sich gegen die Taliban zu verteidigen, eine Regierung also, die Afghanistan noch nie hatte. Erler sieht keine Verhandlungsl\u00f6sung und setzt auf milit\u00e4rische St\u00e4rke, im Gegensatz zu zahlreichen Kennern des Landes, die meinen, dass diese Politik der St\u00e4rke in die Sackgasse f\u00fchrt. Die paschtunischen St\u00e4mme in Pakistan, die die paschtunischen Taliban unterst\u00fctzen, befinden sich im Krieg mit der pakistanischen Regierung. Erler meint, diese Regierung brauche internationale Hilfe, damit dieser Atomwaffenstaat nicht destabilisiert werde. Die Unterst\u00fctzung soll nun auch milit\u00e4risch erfolgen.<\/p>\n<ul>\n<p>Zu Iran:<\/ul>\n<p> Erler nennt das iranische Nuklearprogramm einen der <em>\u201egef\u00e4hrlichsten Konfliktherde der Gegenwart\u201c<\/em> und schildert die bisherige Politik der EU mit alternativen Angeboten: Bei Verzicht auf das Nuklearprogramm wirtschaftliche Hilfe und \u00d6ffnung f\u00fcr die Weltm\u00e4rkte, bei Nichtverzicht Blockaden und Sanktionen. Erler setzt alle Hoffnung auf eine neue US-Politik im Sinne von IAEO-Direktor al Baradai: \u201eAussicht auf Erfolg besteht erst, wenn die USA mit dem Iran sich an einen Tisch setzen.\u201c<\/p>\n<ul>\n<p>Zu Nahost:<\/ul>\n<p> Auch f\u00fcr Erler scheint es schwierig, eine quasi nicht vorhandene deutsche und europ\u00e4ische Nahostpolitik zu beschreiben und erkl\u00e4rt, die Bundesregierung setze weiter auf die \u201eroad map\u201c mit dem Ziel einer 2-Staatenl\u00f6sung, ohne sich den Kopf dar\u00fcber zu zerbrechen, wie die f\u00fcr das total besetzte und durch Mauern und Stacheldraht vielfach zerst\u00fcckelte Pal\u00e4stina verwirklicht werden kann.<br \/>\n<em><br \/>\n\u201eDeutschland verbindet seine besonderen bilateralen Beziehungen zu Israel mit intensiven Bem\u00fchungen zur humanit\u00e4ren Hilfe f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Bev\u00f6lkerung\u201c<\/em><\/p>\n<p>schreibt Erler. Gemeint sind wohl einige Millionen Euro f\u00fcr Ausbildung und Ausr\u00fcstung pal\u00e4stinensischer Polizei, sowie Waffenlieferungen an und milit\u00e4rische Zusammenarbeit mit Israel, so die Vertr\u00e4ge beim Besuch der Bundeskanzlerin in Israel M\u00e4rz 2008. Unklar bleibt in Erlers Buch auch, wie die Bundesmarine Waffenlieferungen an die Hisbollah im Mittelmeer verhindern soll, die nie \u00fcber See laufen.<\/p>\n<ul>\nZu Zentralasien:<\/ul>\n<p> Es handelt sich dabei um die 5 ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Alle 5 Republiken  werden von Diktatoren regiert. Alle sind reich an Bodensch\u00e4tzen. Auch dort, wo es reiche Erd\u00f6l- und Erdgasvorkommen gibt, lebt die Bev\u00f6lkerung meist in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen. Die USA und China haben in diesen L\u00e4ndern gro\u00dfen Einfluss gewonnen. Auch Russland ist dort wieder im Kommen, w\u00e4hrend Erler die Europ\u00e4er <em>\u201eNachz\u00fcgler\u201c<\/em> nennt, die nun auch im neuen <em>\u201eGreat game\u201c<\/em> mitspielen wollen im Poker um Bodensch\u00e4tze und strategische Machtpositionen. Erler beschreibt deutsche Pl\u00e4ne, diese L\u00e4nder aus ihrer zivilisatorischen R\u00fcckst\u00e4ndigkeit herauszuf\u00fchren und zu effektiven Handelspartnern des Westens zu machen, nat\u00fcrlich auf der Basis der Bodensch\u00e4tze und fossilen Energiereserven. <\/p>\n<p>Das neue \u201eGreat game\u201c ist ein risikoreiches, gef\u00e4hrliches, vielleicht auch t\u00f6dliches Spiel. Es geht um den internationalen Konkurrenzkampf mit der Eroberung neuer M\u00e4rkte und der Sicherung von Ressourcen f\u00fcr die jeweilige Wirtschaft. <\/p>\n<p>Die Frage bleibt offen: \u201cWohin gehst du, \u201eMission f\u00fcr den Weltfrieden\u201c?<\/p>\n<p>Freiburg, 22. April 2009                                            \taufgestellt:<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tUta Pfefferle, Horst Luppe<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut Programm wird sich die Diskussion um das neu erschienene Buch von Gernot Erler drehen, der selbst auf dem Podium sitzen wird. Das Buch hat den Titel \u201eMission Weltfrieden \u2013 Deutschlands neue Rolle in der Weltpolitik\u201c. Die Diskussion soll nur auf dem Podium stattfinden, nicht oder nicht ausreichend mit dem Auditorium. Deshalb hat das Freiburger [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-881","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-friedensforum","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=881"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/881\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":899,"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/881\/revisions\/899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=881"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fffr.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}