{"id":941,"date":"2009-06-28T14:01:17","date_gmt":"2009-06-28T12:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fffr.de\/?p=941"},"modified":"2009-06-29T15:56:27","modified_gmt":"2009-06-29T13:56:27","slug":"bundeswehr-und-posttraumatische-belastungsstorung-ignorieren-bestrafen-zudecken-vernachlassigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fffr.de\/?p=941","title":{"rendered":"Bundeswehr und Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung: Ignorieren, Bestrafen, Zudecken, Vernachl\u00e4ssigen"},"content":{"rendered":"<p>anl\u00e4sslich der Filmvorf\u00fchrung &#8222;Nacht vor Augen&#8220; im Kommunalen Kino Freiburg am 29.6. um 19.30 Uhr:<br class=\"spacer_\" \/><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" lang=\"de-DE\" align=\"center\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: normal;\" lang=\"de-DE\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im M\u00e4rz 2009 berichteten Irak Veteranen beim Winter Soldiers Hearing in Freiburg \u00fcber ihre Erfahrungen mit posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen (PTBS) nach ihrem Kriegseinsatz.  Ein Kriegseinsatz in Afghanistan, wie im Irak, bedeutet f\u00fcr viele SoldatInnen ein andauerndes Trauma, das sich \u00fcber Monate hinzieht \u2013 also kein isoliertes Ereignis.  Symptome sind Flashbacks und Alptr\u00e4ume, dissoziative Zust\u00e4nde oder die Unf\u00e4higkeit Gef\u00fchle zu empfinden, Schlaflosigkeit, Aggression und \u00fcbertriebene Reaktionen auf Schreckerlebnnisse.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: normal;\" lang=\"de-DE\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><span style=\"font-weight: normal;\">Wenn die betroffenen SoldatInnen ihre Symptome mit Selbstverletzung, Wutanf\u00e4llen oder Alkoholkonsum begegnen oder kompensieren, werden sie oft vom Milit\u00e4r f\u00fcr ihr schlechtes Benehmen bestraft, bzw. als pers\u00f6nlichkeitsgest\u00f6rt diagnostiziert.  Falls eine PTBS diagnostiziert wird, werden Medikamente hochdosiert, um eine R\u00fcckkehr in den aktiven Dienst zu erm\u00f6glichen.  Die SoldatInnen sollen sich und ihrem Umfeld zeigen, dass sie in der Lage sind, ihre Schw\u00e4chen zu beherrschen.  Ein <\/span><\/span><span style=\"font-weight: normal;\">junger Soldat, der, nachdem er mitansehen musste, wie ein Kamerad von einem Panzer zerquetscht wurde, akute Belastungsreaktionen aufwies, wollte unbedingt bleiben, erz\u00e4hlt  Bundeswehrpsychologe Biesold: \u201eViele empfinden es als Strafe, nach Hause geschickt zu werden.\u201c Langfristig sei die Prognose, keine PTBS zu entwickeln, sogar besser, wenn die SoldatInnen vor Ort blieben, so Biesold. <\/span><span lang=\"de-DE\"><strong> <\/strong><\/span> <span lang=\"de-DE\"><span style=\"font-weight: normal;\">Das Trauma verschlimmert sich jedoch mit jedem Kriegseinsatz<\/span><\/span><span lang=\"de-DE\"><strong>.  <!--more--><\/strong><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: normal;\" lang=\"de-DE\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><span style=\"font-weight: normal;\">Unbehandelt f\u00fchrt das Trauma zu Panikattacken, Alkohol- und Drogenabusus, Depression, Selbstmord und Amoklauf. <\/span><\/span><span style=\"font-weight: normal;\">Das Problem ist in der milit\u00e4rischen Tradition tief verwurzelt: Noch im Ersten Weltkrieg hielten Nerven\u00e4rzte Soldaten mit mentalen Beschwerden f\u00fcr Simulanten und bestraften sie etwa mit Elektroschocks. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war von der Diagnose &#8222;Granatfieber&#8220; oder &#8222;Sch\u00fctzengrabenneurose&#8220; die Rede, sp\u00e4ter dem &#8222;Vietnamsyndrom&#8220;. Noch heute s\u00e4hen viele Soldaten es als ihre Aufgabe an, mit seelischen Verletzungen alleine fertig zu werden, sagt der Leipziger Medizinstudent Robin Hauffa. Es komme zu Verdr\u00e4ngung und Verleugnung. Eine US-Studie ergab, dass sich nur ein Viertel der Soldaten mit einsatzbedingten psychischen Problemen in Behandlung begab. (taz 12.10.07)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: normal;\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-weight: normal;\">In den USA erhalten weniger als 40% der Betroffenen eine ad\u00e4quate Behandlung durch das Milit\u00e4r.  F\u00fcr eine rehabilitative Behandlung m\u00fcssen sie bis zu 90 Tage warten.  Die daraus entstehenden Probleme m\u00fcssen von den Betroffenen und ihren Angeh\u00f6rigen allein bew\u00e4ltigt werden. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span lang=\"de-DE\"><span style=\"font-weight: normal;\">Wegen PTBS wurden in den Jahren von 1995 bis 2006 rund 640 Soldaten in Bundeswehrkrankenh\u00e4usern behandelt. Das ist ungef\u00e4hr ein Prozent der Soldatinnen und Soldaten, die im Ausland waren. Experten sch\u00e4tzen die Zahl behandlungsbed\u00fcrftiger psychischer St\u00f6rungen bei den R\u00fcckkehrerinnen und R\u00fcckkehrern auf 10 bis 20 Prozent. Diese Gr\u00f6\u00dfenordnungen sind auch aus anderen Staaten mit Truppen in vergleichbaren Eins\u00e4tzen bekannt, wie etwa in den Niederlanden oder Schweden. (14.03.2008 \u2013 Inge H\u00f6ger: <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Hilfe und Vorbeugung bei PTBS-Erkrankungen)<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dennoch wird versucht, anerkannt Traumatisierte dienstf\u00e4hig zu machen.  Ein vom Friedensforum betreuter Fl\u00fcchtling aus Afghanistan, minderj\u00e4hrig gefl\u00fcchtet nach traumatischen Kriegserlebnissen (sein bester Freund starb durch Sch\u00fcsse vor seinen Augen) und mittlerweile anerkannter Kriegsdienstverweigerer mit deutscher Staatsb\u00fcrgerschaft, wurde von der Jugendagentur in Freiburg geraten, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten, was zwangsl\u00e4ufig einen Auslandseinsatz, unter Umst\u00e4nden in Afghanistan mit sich bringen w\u00fcrde. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Seit zehn Jahren wird versucht, das Thema Traumatisierung im Berich der Fl\u00fcchtlings- und Aufenthaltspraxis zu einem akzeptierten Thema zu machen.\u00a0 Verwaltung und Gerichte sind immer dagegen eingestellt, hatten zun\u00e4chst noch gar nichts davon geh\u00f6rt, reagieren mit unwirschen und herabw\u00fcrdigenden Stellungnahmen darauf.\u00a0 Behandlungszentren in Deutschland k\u00f6nnen von dieser menschenrechtswidrigen Praxis ein Lied singen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Freiwillig in den Krieg ziehenden SoldatInnen wird ein Trauma attestiert, dass sie nicht haben m\u00fcssten, wenn sie nicht in den Kriege ziehen w\u00fcrden.\u00a0 Fl\u00fcchtlinge hingegen k\u00f6nnen nicht entscheiden, ob sie den Krieg freiwillig verlassen wollen.\u00a0 Sie werden daran von NATO-Seiten aktiv gehindert.<br \/>\n <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"left\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span lang=\"de-DE\"><span style=\"font-weight: normal;\">Insgesamt leiden oder litten den Angaben zufolge 385 Soldaten nach einem Einsatz in Afghanistan an PTBS. Derzeit werden pro Jahr rund 10.000 deutsche Soldaten f\u00fcr je vier Monate in Nord-Afghanistan eingesetzt.  (afp\/aerzteblatt.de) <\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Laut j\u00fcngsten Angaben des Bundesverteidigungs-ministeriums hat sich die Zahl der traumatisierten Heimkehrer in den letzten zwei Jahren vervierfacht. Inzwischen bel\u00e4uft sich der Anteil der Afghanistan-Heimkehrer, die an PTBS leiden, auf &#8222;knapp \u00fcber zwei Prozent&#8220;. <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span lang=\"de-DE\"><span style=\"font-weight: normal;\">(Bundestagsdebatte Hilfe f\u00fcr Traumatisierte Soldaten 2.12.08)<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: normal;\" lang=\"de-DE\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-weight: normal;\" lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Solange SoldatInnen der Bundeswehr in Kriegsgebieten eingesetzt werden,   werden sie traumatisiert zur\u00fcckkehren.  70% der deutschen Bev\u00f6lkerung lehnt eine weitere Beteiligung Deutschlands am Afghanistaneinsatz ab. Das Freiburger Friedensforum lehnt Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr grunds\u00e4tzlich ab und fordert die Aufl\u00f6sung der NATO.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" lang=\"de-DE\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" lang=\"fr-FR\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Monotype Corsiva,cursive;\"><span style=\"font-size: large;\">Freiburger Friedensforum<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" lang=\"fr-FR\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Monotype Corsiva,cursive;\"><span style=\"font-size: large;\">www.fffr.de<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>anl\u00e4sslich der Filmvorf\u00fchrung &#8222;Nacht vor Augen&#8220; im Kommunalen Kino Freiburg am 29.6. um 19.30 Uhr: \u00a0 Im M\u00e4rz 2009 berichteten Irak Veteranen beim Winter Soldiers Hearing in Freiburg \u00fcber ihre Erfahrungen mit posttraumatischen Belastungsst\u00f6rungen (PTBS) nach ihrem Kriegseinsatz. 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